- Neben den spektralen Seegangs-Informationen bieten
SAR-Bilddaten (Imagettes) eine Fülle zusätzlicher Informationen, vor allem über
atmosphärische Einflüsse auf das SAR-Signal von der Meeresoberfläche. Etwa 30%
der Bilddaten ist geeignet für die Auswertung von Meeresoberflächenmerkmalen,
70% der Imagettes zeigen homogene Wellenmuster für die spektrale Auswertung.
- Beobachtete SAR-Bildspektren (Kreuzspektren) können
nicht direkt mit Seegangsspektren aus einem Modell wie z.B. dem WAM-Modell
verglichen werden. Daher werden die Seegangsspektren aus dem WAM-Modell mit einem SAR-Abbildungsmodell in komplexe
Kreuzspektren (WAM-FOMAP-Kreuzspektrum)
transformiert. Aus den Spektren werden mittlere Seegangsparameter extrahiert.
- Der verwendete Algorithmus zur Extraktion von
mittleren und PeakWellenparametern ist sowohl auf
Kreuzspektren wie auch auf Seegangsspektren anwendbar. Hauptschritt des
Algorithmus ist dabei die Zerlegung der Spektren in Wellenkomponenten, sogenannten
Partitions, mittels eines etablierten Partitioning-Algorithmus. Zusätzlich wird die Richtungsmehrdeutigkeit der komplexen Kreuzspektren mittels der Informationen
im Imaginärteil aufgelöst.
- Die einzelnen Wellensysteme werden mit Hilfe einer
Klassifikation den Klassen Windstreifen, Windsee, Alte Windsee und Dünung
zugeordnet. Eine vorhandene Klassifikation für Seegangsspektren wurde für
Kreuzspektren erweitert und beruht auf einem Verfahren zur Bestimmung der
Windgeschwindigkeit aus SAR-Daten.
- Die Ableitung der Windgeschwindigkeit aus der Windsee
wurde untersucht und dabei gezeigt, dass diese aufgrund des
SAR-Abbildungsmechanismus stark fehlerbehaftet ist.
- SAR Kreuzspektren enthalten eins bis vier physikalisch
sinnvolle, trennbare Wellenkomponenten, wobei einzelne Wellensysteme (reine
Dünung oder reine Windsee) überwiegen (87% im SAR-, 70% im WAM-FOMAP-Kreuzspektrum).
- Der sogenannte Range-Splitting-Effekt ist in dem
verwendeten SAR-Abbildungsmodell zur Transformation von Seegangs- in
Kreuzspektren überbewertet. Einzelne Wellensysteme in Range-Richtung im
WAM-Seegangsspektrum resultieren in zwei Wellensystemen im WAM-FOMAP-Kreuzspektrum.
Dies wurde in den SAR-Kreuzspektren nicht beobachtet.
- Der Vergleich von SAR- zu WAM-FOMAP-Kreuzspektren
zeigt eine hohe Übereinstimmung in der Zahl der Wellensysteme, ihrem Wellentyp
(Windsee, Dünung), sowie in den Wellenparametern (Wellenlänge,
Ausbreitungsrichtung). Die Wellenlänge in SAR-Kreuzspektren ist geringfügig
länger als in WAM-FOMAP-Kreuzspektren (ca. 15%). Die Ausbreitungsrichtungen der
Wellen zeigen eine sehr hohe Übereinstimmung in beiden Kreuzspektren (mittlere
Differenz ~1°). Die größten Unterschiede zwischen Modellrechnung und SAR Beobachtung
sind beim Parameter Bildvarianz zu finden, einer Größe, die der mittleren
Seegangshöhe korreliert ist.
- Für einen zweiten Vergleich wurden die
SAR-Kreuzspektren mittels zwei Invertierungsalgorithmen in Seegangsspektren
umgewandelt. Vorteil der Quasi-Linearen Invertierung (QL) ist die
ausschließliche Verwendung der Informationen aus dem SAR-Imagette. Qualitativ
gute Ergebnisse erhält man jedoch nur für Wellen mit einer Periode länger als
die Azimuth-Cut-off-Wellenlänge
(z.B. 12 s). Bei der nichtlinearen PARSA-Invertierung werden
Informationen aus dem SAR-Kreuzspektrum sowie aus dem WAM-Seegangsspektrum
überlagert, um die bestmögliche Schätzung für ein Seegangsspektrum zu
erhalten.
- Auch die beiden Vergleiche der modellierten und der
invertierten Seegangsspektren zeigen eine ähnlich gute Übereinstimmung (Anzahl
der Wellenkomponenten, deren Klassifikation sowie mittlere und Peak-Parameter)
wie die Kreuzspektren. Dabei ist der Vergleich mit den PARSA-invertierten
Spektren erwartungsgemäß besser, da Informationen aus dem WAM-Seegangsspektrum
in beiden Spektren enthalten sind.
- In den Seegangsspektren werden überwiegend ein oder
zwei Komponenten beobachtet. Wiederum wird eine längere Wellenlänge in den
SAR-Seegangsspektren gegenüber den WAM-Seegangsspektren festgestellt.
Übereinstimmung besteht auch beim Parameter Wellenhöhe (lineare Korrelation
0.77 für QL, 0.95 für PARSA, jeweils im Vergleich zu WAM). Höhere Wellen zeigen
die SAR-Seegangsspektren nur in Bereichen mit erhöhter Wellenlänge
(Sturmgebiete). Hohe Übereinstimmung findet sich auch zwischen Wellenhöhen
ermittelt aus den Seegangsspektren und gemessen mit einem Altimeter (lineare
Korrelation im Vergleich zu Altimeter: 0.84 für PARSA, 0.88 für WAM).
- Fallstudien in Gebieten mit extremen Wettersituationen
(Hurrikan, Zyklon) stützen sich nur auf wenige Datensätze.
Die Entwicklung eines Sturmes und der Landfall eines Hurrikans konnten beobachtet
werden. Bei der Analyse einzelner Parameter konnten die allgemeinen
statistischen Erkenntnisse bestätigt werden.
- Mit Imagettes, die zu verschiedenen Zeiten aufgenommen
wurden, konnte die Entstehung der Windsee und die Ausbreitung der Dünung beobachtet
werden. Schon ein einfaches Dünungspropagationsmodell
liefert Parameter für eine Fallstudie zur Wellenvorhersage. Dadurch konnte
dasselbe Seegangssystem auf Daten mehrerer aufeinanderfolgenden Orbits
beobachtet werden.
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